Auf Abenteuer im Garten von Schloss Ippenburg

Ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, eine Fraufrei mit kreativen Ideen, 13 Hektar Land: die Zutaten für ein spannendes Märchen! Im Schloss Ippenburg ist dieses Märchen Realität. Das Schloss in der waldreichen Umgebung von Bad Essen, noch keine Autostunde von Osnabrück entfernt, wird von Freiherrn und Freifrau Von dem Bussche bewohnt. Mehrmals im Jahr organisieren sie ein Gartenfestival im Schlossgarten, sodass du Blick hinter die beeindruckenden Tore werfen kannst, die normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben. Ich wurde eingeladen, den Garten schon mal zu besuchen und spaziere an einem sonnigen Nachmittag mit Viktoria Freifrau von dem Bussche rundum das Schloss.

Die Gärten von Schloss Ippenburg

Als Viktoria von dem Bussche Ende der 80er Jahre Philipp Freiherr von dem Bussche heiratete, zog sie zu ihren Schwiegereltern in das Schloss ein. „Obwohl wir viel Platz hatten, hatte ich nicht viel über die Einrichtung zu sagen. Ich bin ein kreativer Mensch, ein Augenmensch, ich wollte etwas tun. Also ging ich in den Garten“, sagt die Freifrau, als wir mit der letzten Abendsonne durch den Rosengarten gehen. Gesagt, getan. Es dauerte einige Jahre, bis der Garten wirklich schön wurde und Viktoria von dem Bussche vergleicht das Gärtnern mit Zeichnen oder Kochen: Je mehr man es tut, desto besser geht es und am Ende entsteht etwas Schönes. Das Ergebnis jahrelanger fleißiger Arbeit ist beeindruckend: Es gibt einen unromantischen Rosarium, eine Waldinsel, einen Garten mit Zitrusbäumen, einen Wildnisgarten, zwei Schwimmbäder, den größten Küchengarten Deutschlands und vieles mehr…..

Schloss Ippenburg Sommerfestival
Von dem Schloss aus hat man einen fantastischen Blick auf den Garten

Alles im Küchengarten ist essbar

Viktoria von dem Bussche’s Lieblingsort ist der Küchengarten. Während wir zwischen den Beeten mit Rauke, Minze, lila Karotten und Koriander spazieren, zieht die Freifrau alles mögliche aus dem Boden. Sie gibt mir asiatischen Salat zum Probieren und beschließt spontan, noch etwas mehr mitzunehmen, um später am Abend einen Salat zu machen. Aus einem hübschen Zitrusbaum pflückt sie kleine orangefarbene Früchte. „Sei tapfer und iss sie mit der Schale. Es lohnt sich“, sagt sie mir. Es folgt eine süß-saure Explosion. Die Freifrau verrät das Geheimnis: „Das ist ein Kumquat, eine meiner Lieblingsfrüchte. Wenn ich nicht so viel Energie habe, esse ich eine und fühle ich mich wieder voller Energie.“ Sie schneidet schnell einige grüne Spargel aus dem Boden, weil sie möchte, dass ich sie heute Abend probiere. Sie knabbert selbst an einem und sagt lachend: „Ich bin manchmal wie ein Kaninchen!“

Schloss Ippenburg Garten
Im Küchengarten von Schloss Ippenburg findet man viele Leckereien

Eine Wildnis mit Kunst

Kurz vor Sonnenuntergang gehen wir auf der Rückseite des Schlosses entlang zur Wildnis. Im Jahr 2017 wollte Viktoria von dem Bussche daraus einen angelegten Landschaftsgarten machen. Als sie mit Notizblock und Bleistift bereit war, Pläne zu machen, hörte sie das fast ohrenbetäubende Geräusch von Vögeln und Insekten. „Einen Landschaftsgarten zu bauen, das geht eigentlich gar nicht, dachte ich. Und so entschied ich mich, die Wildnis zu wagen“, sagt die Freifrau. Hier ist es heute ein Paradies für Vögel und Insekten. Von dem Bussche weist auf eine Reihe von Insektenhotels hin. „Inzwischen ist es hier zu einem Insektenresort geworden,“ lacht sie. Laut ihr verstehen nicht alle Besucher, dass dieser Wildnisgarten für die Natur wichtig ist. „Einige sagen sogar, dass ich den Garten vernachlässige. Indem ich Kunst hier platziere, möchte ich den Menschen einen Ausgangspunkt geben, um auch dieses Stück Garten zu schätzen. Kunst als Brücke, sozusagen.“ Mit diesen Worten schließt sie den Spaziergang durch den Garten ab und wir gehen kurz bevor es dunkel wird zum Schloss Ippenburg zurück.

Schloss Ippenburg Wildnis
Mit Freifrau Von dem Bussche auf dem Weg durch die Wildnis von Schloss Ippenburg

Mikroabenteuer im Sloß Ippenburg

Einmal in meinem Zimmer (mit Blick auf den Garten!), schaue ich in den Spiegel und sehe, dass meine Haare total durch einander sind. Als ich versuche, das Chaos zu beheben, rieche ich eine Mischung aus Koriander, Erde und Zitrusfrüchten an meinen Händen. Ich spüre die Sonne in meinem Gesicht. Vor allem fühle ich mich sehr zufrieden und lebendig. Ein paar Stunden auf Schloß Ippenburg sind wie man einige Tage gereist hat. „Das ist genau das, was wir mit dem Festival erreichen wollen. Es ist heutzutage schwieriger, Menschen zu überraschen oder zu erstaunen. Sie haben alles schon mal gesehen. Das Festival ist der Herausforderung gewachsen“, sagt Freifrau Von dem Bussche. Inzwischen holt sie die Lasagne mit superfrischem Spinat aus dem Backofen, sie sieht zufrieden aus. „Nicht schlecht für die erste Lasagne meines Lebens“, sagt sie mit einem Lächeln.

Schloß Ippenburg Garten besuchen

Sommerfestival im Schlosspark Ippenburg

Viktoria von dem Bussche war die erste, die ein Gartenfestival in Deutschland organisierte. Eine ihrer Inspirationsquellen war die Home and Garden Fair von Slot Beeckestijn in Velsen-Zuid. Und das ist genau ein Ort, an dem ich als Kind viel gewesen bin! „Ja, die Holländer können sowas, ein solches Festival organisieren, aber in Deutschland gab es nichts Vergleichbares. Und deshalb habe ich es selbst organisiert“, sagt Von dem Bussche und ihre Augen funkeln hinter den runden Brillengläsern. 1998 fand das erste große Festival statt, das so viele Menschen anzog, dass sie es nur retten konnten, weil Freiherr Von dem Bussche spontan einen Bus-Shuttle organisierte. Das Sommerfestival im Garten von Schloss Ippenburg hat sich im Laufe der Jahre stark entwickelt und überrascht jedes Jahr wieder. In diesem Jahr steht das Thema „My home ist my castle“. „Wir gehen ein wenig zurück in die Träume unserer Kindheit: draußen schlafen, fliegende Zelte, Hängematten, Tiny Houses. Außerdem werden mehrere Hütten gebaut, in denen man sich ein bisschen erholen kann, und wir organisieren einen Grillwettbewerb.“ Sie zeigt mir ein Bild von einer Sauna in einem Fass, die im Schlossgarten aufgestellt wird. „Ha, du wirst es hier nicht erkennen, wenn du im Juni zurückkehrst“, sagt die Freifrau. Ich kann es kaum erwarten…

Schloss Ippenburg Insektenhotel
Das ‚Insektenresort‘ von Schloss Ippenburg

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